Innovation aus dem 3D-Drucker: Stiftung Löwenbrücke fördert neue Prüfstandards und individuelle Prothesen

Braunschweig, 30. März 2026

Die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Prothesen steht vor großen Herausforderungen: Demografischer Wandel und Fachkräftemangel treffen auf steigende Versorgungsbedarfe und Kostendruck. Additive Fertigungsverfahren wie der 3D-Druck bieten hier ein enormes Potenzial, um Zeit und Kosten in der Orthopädietechnik einzusparen und individuelle Lösungen zu schaffen. Die Stiftung Löwenbrücke hat deshalb das wegweisende Projekt „Prüfmodelle für die Prothesenschaft-Versorgung mittels 3D-Druck“ am Labor für Biomechatronik der FH Münster gefördert.
3D-Druck eines Prothesenschafts an der FH Münster
Promovend Bruno Schubert untersucht an der FH Münster, wie der 3D-Druck Zeit und Kosten in der Orthopädietechnik sparen kann. (Foto: FH Münster)

Die Herausforderung: Innovation trifft auf fehlende Standards

3D-gedruckte Prothesenschäfte können individuell, schnell und kostengünstig auf die Bedürfnisse der Patient*innen abgestimmt werden. Die Voraussetzung für den Einsatz am Menschen ist jedoch, dass diese maßgeschneiderten Verbindungsstücke den realen, alltäglichen Belastungen sicher standhalten. Um fehlende Prüfstandards für diese patientenindividuellen 3D-Druck-Schäfte zu entwickeln, arbeitet Promovend Bruno Schubert gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. David Hochmann an Lösungen. Mit einem eigens konstruierten Prüfstand testet Schubert 3D-gedruckte Prothesenschäfte auf ihre Belastbarkeit und erforscht die idealen Kunststoffe. Zudem wurden verschiedene „Mock-Limbs“ (Stumpfphantome) entwickelt und mit modernster Sensortechnik ausgestattet. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nun in die Arbeit internationaler Normungsausschüsse einfließen, damit innovative Prothesenschäfte aus dem 3D-Drucker bald noch sicherer und schneller bei den Patient*innen ankommen.
Einen tollen Einblick in den Laboralltag der FH Münster bietet der ausführliche Artikel direkt aus dem Newsroom der Fachhochschule. Lesen Sie hier mehr dazu: https://www.fh-muenster.de/de/ueber-uns/newsroom/news/phy/ein-individuell-angepasster-prothesenschaft-aus-dem-3d-drucker

Aus der Praxis: Eine 3D-gedruckte Sonderanfertigung für David

Neben der wissenschaftlichen Grundlagenforschung zeigt sich der immense Mehrwert des 3D-Drucks besonders bei individuellen Sonderanfertigungen. Ein aktuelles, von uns begleitetes Praxisbeispiel ist die Entwicklung maßgefertigter Handschalen für David. Ziel war es, ein passiv funktionales Hilfsmittel zu schaffen, das exakt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Die spezifischen Anforderungen von David waren anspruchsvoll:
  • Maßgefertigte Handschale für rechts und links.
  • Ein maßgefertigtes Inlet aus weicherem Material (ebenfalls 3D-gedruckt).
  • Ein Kugelgelenk mit erhöhter Reibung, bei dem die Aufbauhöhe möglichst minimiert werden sollte.
  • Ein möglichst simpel zu bedienender Kupplungsmechanismus zwischen den Handschalen und dem Objekt (umgesetzt mit Magneten und Blockierstab).
  • Ein Kupplungsmechanismus, der nicht notwendigerweise an den Objekten verbleiben muss.
Das Ergebnis: Von den formulierten Punkten konnten die Anforderungen 1 bis 4 hervorragend umgesetzt werden. Punkt 5 erwies sich für Personen, die an beiden Händen betroffen sind, im Rahmen eines passiv funktionalen Hilfsmittels als nicht realisierbar und war daher von Beginn an nicht Teil unseres Entwicklungsangebots. Dennoch stellt das finale Produkt eine enorme Erleichterung dar.
Finale Sonderanfertigung der Handschale für David
Von der Idee zum Produkt: Die finale Sonderanfertigung der Handschale bietet maßgeschneiderten Halt.
Dokumentation der Entwicklung: Gerne stellen wir Ihnen den detaillierten Bericht zu dieser Sonderanfertigung zur Verfügung. In der Präsentation zeigen wir transparent die spannende Historie von den ersten vier Prototypen bis hin zum finalen Produkt. 📄 Hier klicken, um den Bericht zur Sonderanfertigung (PDF) anzusehen